Mittwoch, 13. August 2014

Kalender recyclen

Im Umzugswust findet man so einiges: Einsame Socken hinter der Kommode, Fussel, vermisste Unterlagen in den Schubladen, noch mehr Fussel, lange nicht mehr getragene Klamotten im Schrank, fusselige Wollmäuse, einen alten Tannenbaumständer (wo kam der denn her? *huch*), viele tote Spinnen, hinters Bett geplumpste Plüschtiere und, ja, alte Kalender.


Kennt die noch wer? Papierkalender? In Zeiten von Smartphone, die sich - hokus pokus - mit dem Heim-PC synchronisieren, ist das Gekritzel auf dem Kalender ja wirklich oldschool. Oder?

Ich zumindest hatte in meiner Teeniezeit diese grausam kitschigen Monatskalender gemocht, mal mit Katzenbabies, mal mit Einhörnern, mal mit Sonnenuntergängen oder putzigen Gartenimpressionen. Bekrakelt wurden die selten. Weggeworfen aber auch nicht. Allerhöchstens wurde mal ein besonders schönes Exponat eines Monatsbildes eingerahmt. Immerhin hatten mich die Bilder ein ganzes Jahr begleitet, da wird man schon mal melancholisch *schnief*

Mein Freund hebt die Kalender gerne auf, um mit den Blättern kleine Geschenke einzupacken. Ich fand hingegen letztens die ultimative Idee, einen Kalender wieder seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen - man wartet lange genug, denn irgendwann wiederholt sich der Jahresverlauf!

Genau genommen braucht man gerade mal 14 verschiedene Kalender, um damit sämtliche Jahre abzudecken. Für nächstes Jahr ist also der Kalender von 2009 aktuell. Insbesondere Kalender, die man per Ringlochung umschlagen kann, sind dafür geeignet - auf sehr vielen steht auf den Monatsblättern nicht mal das Jahr, also fällt die Wiederverwendung nicht mal auf *g*

Die genaue Aufschlüsselung der identischen Jahre findet ihr hier: http://garyc.me/calendars/

Donnerstag, 24. Juli 2014

Ausmisten #3: Winke, winke

Noch 4 Wochen bis zum Umzug, und meine Bude lichtet sich.

Das komplette Schlafzimmer hat einen neuen Besitzer gefunden (um das habe ich wirklich getrauert, die massiven Eichen-Türen waren wundervoll ...).
Die Küche kauft der Nachmieter ab und darf damit in der Wohnung bleiben.
Auch die Couch ist schon vor mir abgereist und ist neuerdings Mitbewohner einer Studi-WG. Die jungen Leute waren froh um den Schnapper, und ich war froh um ein Teil zum Schleppen weniger ;)
Verschwunden sind ebenfalls der Schreibtisch (verkauft) sowie Phonoschrank und Beistellschränkchen (beide verschenkt).

Die halb leere Wohnung fühlt sich ehrlich gesagt sehr seltsam an. Vor allem meine Couch vermisse ich, sie war eine Insel mitten in meiner Wohnung und lud zum Schlummern und Relaxen ein. Tja, nu. Ich vertreibe mir meine Zeit so lange mit Nähen, das Maschinchen ist ja glücklicherweise noch bei mir geblieben :-)

Insofern entschuldige ich mich schon mal für meine derzeit so sporadischen Postings - mir fehlen Zeit und Energie, um wirklich was zu arbeiten. Und inmitten von Umzugskisten leidet die Kreativität nicht unerheblich.

Mitte September bin ich dann wieder voll und ganz da!

Montag, 23. Juni 2014

Ausmisten #2: Konkrete Ideen

In meinem letzten Post habe ich von den zahlreichen Besitztümern gesprochen, die man so in den eigenen 4 Wänden anhäuft. Dinge erwirbt man erfahrungsgemäß schneller, als man sie wieder los wird - ein übler Effekt, wenn es darum geht, die Besitztümer zu verringern, etwa im Falle eines Um- oder Auszugs. Aber auch ein regelmäßiges Ausmisten ist eine wirkungsvolle Methode, um das Problem schon rechtzeitig aufzuhalten und es gar nicht zu den berühmten 10.000 Utensilien kommen zu lassen, die der Deutsche angeblich hortet.

Welche Möglichkeiten hat man nun konkret, um Herr der Lage zu werden und seinen Besitz nicht ausufern zu lassen?

Zunächst einmal hängt es natürlich vom Zeitpunkt ab, also wann man beginnen will.

Vor dem Kauf

Am Sinnvollsten ist es natürlich, sich schon vor dem Kauf Gedanken darüber zu machen, ob man den gewünschten Artikel tatsächlich braucht. Manchmal reichen ein, zwei Nächte Bedenkzeit, und das Gefühl des akuten Haben-Wollens ebbt ab - dann hatte man es mit einem psychologischen Bedürfnis zu tun, aber nicht mit einem echten Mangel.

Während des Kaufs

Hat man sich dazu entschlossen, etwas wirklich besitzen zu wollen, sollte man trotzdem nicht zu vorschnell sein. Viele Gegenstände führen dazu, dass sich der Besitz in Zukunft vermehrt:
  • zu billige oder minderwertige Artikel verschleißen schnell und müssen neu gekauft werden
  • Zubehör muss zwingend gekauft werden, damit der Gegenstand funktioniert (z.B. eine Spiegelreflex ohne Objektiv oder ein PC ohne Monitor)
  • verlockendes "Upgrade"-Zubehör steigert gefühlt den Wert des Utensils, muss aber trotzdem erst mal gekauft werden (z.B. Küchenmaschinen mit Getreidemühle, Zerkleinerer, Entsafter ...)

Benutzen / Upcyclen

Ist etwas bereits in unserem Besitz und kein Verbrauchsgegenstand (d.h. es bleibt längerfristig im Haushalt), dann kann man es ganz einfach benutzen und damit vermeiden, es doppelt zu kaufen. Wichtig ist natürlich, dass man den Überblick behält - einen Eierschneider etwa, der ewig nicht mehr benutzt wurde und ganz weit hinten im Schrank lag, kauft man im Affekt doppelt, wenn man so ein Teil zufällig mal braucht und das Stück zuhause eben schlicht vergessen hat.

Andere Dinge, etwa Möbel, lassen sich relativ leicht upcyclen: Mit Folien beklebt, mit neuer Farbe lackiert oder mit Steinen verziert bekommt man ein Schmuckstück, das man gerne nutzt und vor allem auch behalten will. Auch Kleidung lässt sich erfahrungsgemäß upcyclen.

Verkaufen

Möchte man einen Artikel nun definitiv loswerden, kann man natürlich versuchen, ihn gegen Geld an den Mann zu bringen. Gute Erfahrungen habe ich schon mit ebay, Aushängen in Supermärkten, Flohmärkten, Kleinanzeigen im Wochenblatt und Anzeiger-Magazinen gemacht.

Wichtig sind hier die Preisgrenzen: Gerade gebrauchte Gegenstände haben, wenn sie explizit nicht selten, von einer Trendmarke oder aufgrund ihres Alters bzw. Materials wertvoll sind, keinen hohen Verkaufspreis. Setzt einen realistischen Preis an, den ihr selbst für den Artikel zahlen würdet (wie schwer das ist, so was einzuschätzen, habe ich ja schon im letzten Post am Beispiel der Kaffeetassen geschrieben) und seid vor allem kooperativ und bereit zu Verhandlungen.

Erfahrungsgemäß sollte man immer schon einen Vorschlagspreis angeben (keine angegebenen Preise schrecken ab, da der Kunde erst in Aktion treten und den Preis erfragen muss - hier haben erstaunlich viele eine Hemmschwelle) und ihn notfalls mit "VB", also auf Verhandlungsbasis, kennzeichnen. Damit signalisiert man den Interessenten, dass noch was geht beim Preis. Dafür den Preis lieber 10 % höher ansetzen und stückweise runtergehen, statt von Anfang an stur auf den Wunschpreis zu beharren.

Verschenken

Wenn Verkaufen nicht zum Erfolg führt, kann man unliebsame Gegenstände natürlich auch verschenken. Anstand und Höflichkeit gebieten, dass man anderen keinen Schrott andreht - niemand freut sich über etwas, das offensichtlich kaputt ist oder in naher Zukunft kaputt gehen wird. Wenn man hier unsicher ist, sollte man einen Gegenstand lieber selbst entsorgen, statt das einer anderen Person zu überlassen und ihr damit unterschwellig zu sagen, das man sich wenig um ihr Wohlergehen schert.

Erste Anlaufstelle für Schenk-Aktionen sind natürlich Bekannte, Verwandte und Freunde. Eine Kramkiste, die man bei einer abendlichen Weinrunde hinstellt, kann schnell zu einem Mordsspaß werden, wenn die Leute selbst in aller Ruhe stöbern und auswählen dürfen. Dabei greift zusätzlich der Besitzanspruch und tief verwurzelte Neid, der in allen schlummert - wenn Person A etwas in der Hand hält, wird der Gegenstand für Person plötzlich ungemein attraktiv. Ich habe schon Diskussionen und wilde Tauschhandel erlebt, bei denen zuvor unliebsamer Plunder plötzlich zum "Renner" wurde. Gut geeignet für solche Wühlkisten sind Kleider und Accessoires, Bücher, Haushaltsutensilien und Dekoartikel, also eher kleinvolumige Gegenstände, die man mal eben mitnehmen kann.

Geschenke wirken natürlich auch auf Fremde anziehend - hier muss man nur aufpassen, dass sich der andere nicht bedrängt oder gar zum Handeln gezwungen fühlt. Insofern ist es also weniger klug, jemandem einfach etwas unter die Nase zu halten und ihn zu fragen, ob er das haben will - die meisten wittern sofort eine Falle und werden misstrauisch.
Besser ist es, auf die natürliche Neugierde zu hoffen: Eine Kiste am Straßenrand, gut sichtbar mit "Zu verschenken" beschriftet, wird oft schon nach Minuten von den ersten Passanten beäugt. Die künstlich herbeigeführte Knappheit des Angebots tut ihr übriges - der Passant weiß, dass der Gegenstand womöglich in 10 Minuten nicht mehr da ist. Also besser sofort mitnehmen, ehe ihn sich der nächste krallt, nech?
Zu beachten ist natürlich, dass solche Kisten nicht wirklich legal sind und teilweise als Müllabladen betrachtet werden. Im Zweifel lieber nur vor dem eigenen Haus abstellen und die Kiste vor allem wieder rechtzeitig entfernen, wenn man merkt, dass man auf kein Interesse stößt.
Legal sind, insbesondere für Bücher, die öffentlichen Bücherregale in vielen Großstädten. Reinstellen, rausnehmen, schmökern, mitnehmen - das Konzept geht definitiv auf.

Für großrahmige oder umfangreiche Gegenstände wie Möbel und Geschirr sind Sozialkaufhäuser ebenfalls ein guter Anlaufpunkt. Teilweise bieten diese Einrichtungen auch an, die Möbel abzuholen. Mit einer Begutachtung muss man natürlich rechnen - auch Sozialkaufhäuser möchten nur etwas anbieten, was nicht beschädigt ist.

Kleiderkammern sind eine Anlaufstelle für Klamotten. Was ich hingegen ungern benutze, sind die klassischen Kleiderspenden. Hier sollte man sich vorab informieren, wo die Spende tatsächlich hingeht, um nicht unwissentlich sogar noch Schaden anzurichten!

Zum Verschenken eigen sich natürlich ebenfalls Anzeigen. Will man nicht ganz leer ausgehen, tut es auch ein obligatorischer Tausch - etwa den Schrank gegen eine Kiste Bier.

Entsorgen

Auch wenn das hier ein Upcycling-Blog ist, will ich diesen Punkt trotzdem nicht unter den Tisch kehren. Die letzte und endgültigste Methode, etwas loszuwerden, ist das Entsorgen. Was absolut niemand mehr möchte oder so beschädigt ist, dass man es nicht mehr nutzen kann, muss weg, ganz klar.

Hier sollte man aber darauf achten, wie man etwas entsorgt. Jede Gemeinde bietet Informationen zum Entsorgen an, damit man die Stücke zumindest umweltgerecht loswird. Elektroschrott, Sondermüll wie etwa Batterien und Farbeimer, Sperrmüll und Kleiderreste werden meistens separat entsorgt, große Gegenstände wie Kühlschränke gegen Gebühr teilweise auch abgeholt. Ein Blick auf die Website des örtlichen Entsorgers liefert meist die benötigten Informationen.

Was selbstverständlich niemals in Frage kommen sollte, ist wild abgelegter Müll!


Habt ihr noch weitere Ideen, um euren Haushalt zu verkleinern bzw. das Entsorgen zu vermeiden? Ich freue mich auf eure Ratschläge und Erfahrungen!

Dienstag, 17. Juni 2014

Ausmisten #1: Besitz schafft Leid

Die Buddhisten wussten es schon immer: Zu viel zu besitzen tut keinem gut.

Da gibt es jene Extremen, umgangssprachlich Messies, die sich von nichts trennen können und auch scheinbar Wertloses horten. Weil es ihnen eben gehört. Weil man damit noch irgendwas anfangen könnte. Weil sie nicht die Kraft haben, sich vom Ballast zu trennen. Besitz ist unendlich fest mit unserem Wesen verbunden und lässt sich sogar für psychologische Manipulation einsetzen: Gib jemandem etwas, das er als rar betrachtet, und sofort wird er sich so schnell nicht mehr davon trennen wollen, selbst wenn er es vorher gar nicht wirklich gekannt oder gebraucht hat.

Auf der anderen Seite sind die, die ihren Besitztum an einer Hand abzählen können. Sei es aus freiwilligen Stücken, etwa aus religiösen oder ethischen Gründen, sei es gezwungen, weil ihnen das feste Heim fehlt.

In der Mitte tummelt sich der Durchschnitt.
Angeblich bunkert der gemeine Deutsche 10.000 Gegenstände in seinen eigenen 4 Wänden. Klingt viel? Zu viel? Mitnichten. Viele Dinge blendet man schon längst aus, weil man sie nicht mehr wahrnimmt. Wer allein schon im Besitz eines geräumigen Kellers oder Dachboden ist, wird sofort dazu verführt, alles mögliche aufzuheben oder auf Vorrat zu kaufen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Das beobachte ich bei meinen Eltern, bei Freunden, bei Männeke.

Meins! Meins! Meins!

Besitz bedeutet in unserer Kultur Wohlstand und in einem gewissen Rahmen auch Heimat. Was mir gehört, ist meistens an dem Ort, an dem ich lebe. Damit bildet es das Füllmaterial meines kompletten Lebens. Diese Sachen können Statussymbole sein, unnötiger Plunder, Sammelleidenschaften, liebgewonnene Erinnerungsstücke.

Zur Vermehrung des Besitzes greift häufig ein Effekt, der uns Zufriedenheit verspricht, wenn wir Gegenstand X besitzen. Leider hält die Freude darüber selten länger an, und man braucht den nächsten Besitz-Kick. Eine Tretmühle, aus der es kein Entkommen gibt.

Auf der anderen Seite fällt es ungleich schwerer, sich vom Besitz zu trennen. Selbst wenn man weiß, dass etwas wertlos ist und man es im Notfall schnell wieder anschaffen kann, ist eine Trennung von etwas, das man besitzt, immer ein Kraftakt. Da hadert man mit dem Gewissen, weil man schließlich Geld ausgegeben hat. Und zugleich erfüllt es einen mit dem irrationalen Gedanken, etwas Eigenes nicht herzugeben, weil man meint, bereits eine Beziehung dazu aufgebaut zu haben - der klassische Besitztumeffekt.

Über-fluss?

Seit letzter Woche weiß ich, dass ich zum 1. August ausziehen werde. Schneller als geplant, und das wirft viele Pläne über den Haufen. Zum einen jenes Vorhaben, meine Wohnung vor dem Umzug auszumisten. 2 Haushalte verschmilzt man nicht mal so eben miteinander, ohne dass Berge an Dubletten übrig bleiben.

Obwohl ich in meiner Entrümpelungsaktion vieles Überflüssige los werden konnte, wurde mir beim groben Aufstellen meines Besitztums schwindelig: Auf der Liste stehen allein schon 70 großvolumige Gegenstände, dazu die üblichen Mengen Geschirr, Bücher, Kleider, Utensilien, Dekokrempel. Und das alles auf läppischen 50 qm. Trotzdem sieht meine Wohnung alles andere als vollgestellt aus, viele Schrankfächer sind nur halb gefüllt, und ich war immer der Meinung, meinen Besitz auf das Notwendigste zu beschränken. Aber ich komme mit Sicherheit auf mehrere Hundert Gegenstände, die in meiner Bude stehen.

Die Liste habe ich nun so aufgebaut, dass ich maximal 40 der großen Gegenstände behalte, auch bei Kleidern und Büchern wird noch radikaler aussortiert. Ich will mit so wenig Sachen wie möglich umziehen. Der Umzug einer älteren Dame, mit der ich mich gut verstehe und der ich beim Auspacken half, hat mich in dem Punkt zutiefst verstört: Von ihren 40 Umzugskartons waren mindestens 25 randvoll mit Geschirr und Deko-Utensilien. Jedes Plastikblümchen wurde mitgenommen, jede angebrannte Kerze sorgsam eingewickelt.

Allein bei den Möbeln werde ich schon meine liebe Not haben, gebrauchte Möbel kann man oft nicht mal verschenken, geschweige denn verkaufen. Insofern werde ich also die hiesigen Möbelbörsen ansteuern müssen, denn entsorgen möchte ich die teilweise wirklich gut erhaltenen (Echtholz-)Möbel nicht.

Andere Sachen kann ich erfahrungsgemäß in den Studentenvierteln loswerden - eine Kiste voller Krempel mit dem Zettel "Zu verschenken" am Straßenrand steht selten länger als eine Stunde.

Aber was ist mit dem Rest, den weder ich noch andere haben wollen? Ich bin derzeit noch ratlos. Früher hätte ich gesagt: Weg damit, braucht eh keiner. Aber mein Plunderstück-Ich wehrt sich gegen diese Idee mit Händen und Füßen.

Ich werde mir die nächsten Tage Gedanken machen und Ideen sammeln, die ich dann hier vorstelle.


Wie war das bei euch, als ihr um- oder eingezogen seid? Habt ihr auch vorher gemistet oder erst später geschaut, "was über bleibt"? Und wie geht ihr mit solchen Überbleibseln um, die partout niemand mehr haben will?

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sonnentasche

Für die Sommerurlaube (jaha, dieses Jahr sind es zwei *freu* Einmal 8 Tage traditioneller Eltern-Urlaub am Bodensee, einmal 7 Tage mit Männeke nach Malle *wuhu*) brauche ich noch unbedingt eine schicke, praktische Tasche - alle anderen sind mittlerweile so verratzt, dass ich sie echt nicht mehr ausführen mag.

Farblich wollte ich etwas in schönen, frischen Sommerfarben - und fand einen hübschen Patchworkstoff in meinem Fundus.


Da ich gerade bei Ausflügen die Hände frei haben will, kam für die Trageart nur ein Querträger in Frage. Der Gurt stammt von einer alten, ausgeschlachteten Tasche aus meiner Jugendzeit, krötenhässlich, das Ding.

Um die Geometrie des Patchworks nicht zu stören, ist die Taschenform quadratisch.

Beim Futter ist schlichtes weißes Leinen verarbeitet, die Innentaschen stammen von Resten des Außenstoffs.


Und da ich gerade so schön am Nähen war, huschte auch noch ein Buchbeutel über das Maschinchen - ich ärgere mich nämlich gerade bei etwas teureren Büchern immer, wenn sie in meinen Taschen so verschrabbelt und verkratzt herauskommen.


Den Stoff hortete ich schon seit Monaten, wusste aber wenig damit anzufangen, weil er so dünn und zart ist. Für solche leichten, wenig strapazierten Taschen ist er jedoch ideal, weil er sich schön formen und nähen lässt.
Die Borte war noch ein Fitzelchen Rest, der wirklich auf den Zentimeter reichte.

Dank üppig geschnittenem Beutel und Reißverschluss kann ich nun auch mal 2 Bücher mit den Urlaub nehmen :)

Sonntag, 25. Mai 2014

Challenge: Resteverwertung im Vorratsregal #1

Ist das Phänomen nur bei mir so? Dieses Gefühl, hamstern zu müssen, sich einen Vorrat an nicht verderblichen Nahrungsmitteln anzulegen - es könnte ja eine Hungersnot ausbrechen. Oder von heute auf morgen die Vollkorn-Spirellis aus sein. Desaster, ehrlich.

Ein anderer, nicht ganz unerheblicher Effekt, der zum steten Wachstum meiner trockenen bzw. konservierten Lebensmittel führt, ist der Drang, Neues auszuprobieren. Neue Nudelformen, neue Aufstriche, neue Senfsorten, neue Gewürzpasten, neues asiatisches Zeugs (ganz gefährlich, nebenbei - die Auswahl in Asialäden ist verheerend für den neugierigen deutschen Gaumen). Man geht einkaufen, entdeckt was Interessantes, nimmt es mit - ist ja nur klein und hält sich. Dann probiert man einmal davon und vergisst es. Und wegwerfen? No way. Lebensmittel, die noch mindestens 2 Jahre haltbar sind, ensorgt man nicht, die hortet man. Bestimmt hat man irgendwann mal wieder Lust darauf.

Hat man aber leider nicht immer. Bzw. erbeutet etwas, das die Neugierde wieder einmal für ein, zwei Mahlzeiten beruhigt.

Als ich letzte Woche einen kritischen Blick in mein Vorratsregal warf, entdeckte ich da so einiges, was mich ernsthaft grübeln ließ. Brauche ich wirklich 3 Sorten Linsen, 5 Sorten Reis, 10 Sorten Nudeln, 6 Pakete Getreide, 3 Tüten Haferflocken, 10 Gläser Apfelmus, eine ganze Batterie Backzutaten wie gemahlene, gehackte, gestiftete, gehobelte Mandeln und Haselnüsse, 4 Sorten Puddingpulver und gläserweise Aufstriche und Würzpasten?


Nein, brauche ich nicht.
Ganz davon abgesehen, dass sich manche Produkte schon gefährlich nahe am Verfallsdatum bewegen. Nicht, dass mich das stört, ich esse auch abgelaufene Nudeln, aber das zeigt mir einfach, wie lange ich die Sachen schon horte. Ein weiteres Problem: Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass ich im September meine Wohnung auflöse und zum Männeke ziehe. Und ich sehe mich schon mit Schrecken, wie ich kistenweise altes Zeug zu dem Kerl schleife und in seinem Keller versenke.

Insofern habe ich beschlossen, bis zum Herbst keine "trockenen" Lebensmittel mehr zu kaufen, sondern das zu verbrauchen, was da ist. Bis zum letzten Reiskorn, wenn es sein muss. Das bedeutet, dass ich in der Woche über auch mal auf das Kantinen-Happa verzichte und selbst Gekochtes mitnehme. Erfolgsmeldungen über geleerte Vorratsgläser gibt es dann regelmäßig hier ;)

Montag, 19. Mai 2014

Aufreger der Woche #9 - Guru, guru, Blut ist im Schuh ...

Wenn Männeke und ich die Länge unserer Schuregale vergleichen, muss ich mich immer verdammt schnell geschlagen geben. Einen männlichen Schuhfetischisten im Haushalt zu haben ist nicht immer leicht - ich kann also die vielen leidgeplagten Männer verstehen, die zu stöhnen beginnen, sobald ihre Holde dieses Glitzern in den Augen beim Anblick eines Schuhgeschäfts bekommt.

Männeke schleift also regelmäßig neue Beutestücke nachhause, die er dann auch tatsächlich trägt. Und ich? Tja. Ich weiß nicht, ob es an meinem Füßen, meinem Geschmack oder der Auswahl in den Geschäften liegt, aber ich finde selten ein Paar, das
- passt
- gefällt
- weder nach Lady Gaga noch nach Hippie-Gedenk-Latschen aussieht
- keinen halben Monatslohn kostet
- hochwertig verarbeitet ist.

Einen der Punkte muss ich eigentlich bei jedem Paar streichen, und das geht mir schon seit Ewigkeiten auf den Zeiger. Um billige Schuhe und Trend-Marken mache ich seit jeher einen Bogen, aber selbst bei teureren Schuhen sieht es häufig mau aus. Nach Plastik müffelnd, weder Profil noch Fußbett, dafür mit elend harter Ferse, hohem Absatz und scharfen Kanten, sind sie maximal zum Sitzen geeignet. Ich habe Blasen, wunde Zehen, schmerzende Fersen und wundegescheuerte Knöchel.

Und die Verarbeitung? Nach einem Monat ist die Sohle bereits halb abgeschleift, nach einem halben Jahr löst sich der Kleber, nach einem Jahr zerbröselt das Obermaterial. Da ich täglich bis zu 6 km laufe, muss ich mich auf meine Treter verlassen können. Insofern kommt es oft vor, dass ich, sobald sich ein Paar als bequem herausstellt, ins Geschäft galoppiere und mir ein zweites Paar auf Vorrat kaufe. Damit ich nächstes Jahr noch was davon habe.

Ich weiß nicht, wie andere Frauen es schaffen, dutzende Paare zu besitzen. Glück? Kein Schmerzempfinden in den Zehen? Perfekt geformte Füße? Oder laufen sie ganz einfach nicht mit den Schuhen außerhalb des Büros?

Männeke schmunzelt mittlerweile nur noch über meine kümmerliche Auswahl (10 Paar, von denen ich bei 3 Paaren noch ungetragene Dubletten habe) und shoppt fleißig weiter. Hätte ich Männerfüße, dann wäre ich im Paradies - bei den Herrenschuhen gefällt mir irgendwie alles, nur will mir nichts davon passen. Also betrachte ich weiter grantelig die überquellenden Regale in den Damenabteilungen der Schuhläden. Das Leben ist nicht fair :(

Donnerstag, 8. Mai 2014

Das Ding mit der Regionalität

Letztens hatte ich eine interessante Diskussion mit einigen Bekannten, die so ziemlich alle "Fraktionen" der modernen Ernährungsformen abdecken: Die eine schwört auf Low Carb, die andere ist absolute Bio-Anhängerin, die nächste versucht sich seit gut einem Jahr in veganer Ernährung, die andere ist Teilzeit-Vegetarierin.

Ich bin der einzige Omnivor in der Runde, mal nebenbei *hüstel*

Trotzdem waren sich alle mehr oder minder einig, als es um das Thema der regionalen Lebensmittel geht: Ja, unbedingt.
Nicht nur, um die hiesige Landwirtschaft zu unterstützen, nein, auch aus gesundheitlichen und ökologischen Aspekten. Weniger Transport bedeutet weniger CO2, keine Ausbeute von Farmarbeitern irgendwo in Marokko oder Spanien, keine übertrieben frühe Ernte der Produkte, (hoffentlich) wenige bzw. kontrollierte Spritz- und Düngemittel und einfach das Gefühl, eine Möhre aus der direkten Nachbarschaft zu kauen statt eine, die aus Israel immigriert ist.


Als wir dann aber über biologisch erzeugte Produkte aus der Region redeten, wurde es schon etwas finsterer in der Runde, denn da war die Auswahl verdammt mau, besonders im Winter bzw. frühen Frühjahr. Wir hatten also ein Dilemma: Bio und vom anderen Ende der Welt, oder regional und dafür konventionell. Wirklich einig wurden wir uns nicht, und alle berichteten, dass sie da einfach zweigleisig fahren. Nur die Bioanhängerin lebte lieber mit ihren Williams Christ Birnen aus Südamerika.

Für mich selbst kommt noch erschwerend hinzu, dass ich nur wenig Fructose vertrage und bei fast allen Kohlsorten beinahe einen Tag Krankenschein machen muss, um die Magenkrämpfe loszuwerden. Insofern würde regionale Kost für mich bedeuten, im Winter fast nichts Frisches essen zu dürfen - das Wintergemüse ist sehr kohllastig, das Winterobst besteht fast ausschließlich aus Äpfeln und Birnen und mit etwas Glück Trauben, die ich roh nicht mal in winzigen Mengen vertrage. Ich greife also notgedrungen zu Zitrusfrüchten, ein paar exotischen Schmankerln wie Litschi sowie bergeweise Paprika, um nicht am Skorbut dahinzusiechen.

Das ist weder biologisch (zumindest teilweise) noch ökologisch und am allerwenigsten regional, hilft mir aber leider nichts. Glücklich macht es mich nicht, dafür freue ich mir hingegen im Sommer einen Ast und esse mich an den frischen Beeren und Gemüsesorten vom Markt kugelig. Aber reicht das für meinen ökologischen Fußabdruck, wenn ich dafür den ganzen Winter über Paprika, Zucchini und Orangen aus südlichen Ländern verzehre? Darf ich meinen Magen als Ausrede nutzen, um weiterhin (nicht gerade wenig) Import-Lebensmittel zu vertilgen?

Ich versuche schon, an allen möglichen Stellen einzulenken - ziehe eigene Erdbeeren und Kräuter, verarbeite gefundenes Fallobst zu Kuchen oder Kompott, esse so viel regionales Gemüse wie ich kann (nach 5 Tagen Lauch mit Möhren und Kartoffeln in allen Variationen ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht). Damit kann ich mein Gewissen zumindest etwas besänftigen. Ich würde gern mehr tun, aber ich kann nicht. Wirklich zufrieden macht einen das nicht, aber das Leben ist eben kein Wunschkonzert.

Montag, 5. Mai 2014

Ausmisten im Kleiderschrank

2 1/2 Wochen Urlaub in der Heimat, und ich bin eher platt als erholt: 3 große Geburtstagsfeiern, Ostern, Kommunion vom Nachbarskind, Tod des Großvaters. Uff.

Ich hatte mir unendlich viel vorgenommen an den freien Tagen, aber wie das so ist, kriegt man am Ende doch nur einen Bruchteil davon gebacken. Aber immerhin - eine Großbaustelle habe ich abgehakt. Und zwar die, die mich schon seit Jahren stört, nämlich meine frühere Sammelwut für Röcke.

Ich wollte es selbst kaum glauben, aber als ich in allen Schränken und auf dem Speicher kramte, ahnte ich schon, dass diese Ausmistung ein Klops wird. Geplant war, alle Röcke hervorzuholen, auf einen Haufen zu legen, durchzuprobieren und dann zu entscheiden, welche ich behalte und welche nicht.

Während ich also die Schränke durchwühlte und Rock um Rock zutage beförderte, wurde es allmählich finster. 30 Minuten später zählte ich dann durch, und mich traf fast der Schlag: Mehr als 50 Röcke. Und da fehlten sogar noch einige, die in meiner zweiten Wohnung in Hannover hängen. Urgs.


Von den Röcken sortierte ich dann so viele aus, dass am Ende nur noch 6 Stück übrig blieben, die ich absolut und ohne Zaudern behalten wollte. Der Rest wird bei Kleiderkreisel, ebay und Co. eingestellt und findet hoffentlich einen Besitzer, der ihn auch wirklich trägt.

So sehr mich anfangs ja die Vorstellung erschreckte, meine Schränke derart radikal zu leeren, ist das Gefühl, vor so vielen leeren Kleiderbügeln zu stehen, wunderbar befreiend. Paradox, oder? Statt in Panik ausbrechen, weil einem die Felle, äh, Klamotten wegschwimmen, winkt man ihnen fröhlich nach und betrachtet die zurückgebliebenen Stücke mit frisch erblühter Begeisterung. Denn die gefallen, die passen, die mag man einfach.Den Rest zog man einmal im Jahr an, drehte sich unglücklich und murrend vor dem Spiegel hin und her, zog das Teil wieder aus und griff zum Lieblingsrock. Solche "Na Ja"-Sachen trägt man nicht gern. Punkt.

Ich habe mir vorgenommen, noch mehr dieser Ausmist-Aktionen zu starten, in meinen Schränken warten unter anderem noch Berge von Oberteilen, die zwar passen, mir aber farblich nicht mehr zusagen. Insofern vermutlich ein Fall für eine ausgiebige Färbeaktion in der Waschmaschine. Ich werde berichten!

Mittwoch, 23. April 2014

Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 3

Bereits in den vohergehenden Postings berichtete ich von den elektrischen Haushaltsgeräten, die mir übel aufstoßen, weil sie Platz rauben, selten das tun, was sie eigentlich können sollten und vor denen man trotz besserem Wissen irgendwie nie so ganz sicher ist.

Zum Einlesen hier die vorhergehenden Posts:
 Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 1
 Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 2

Auf in die letzte Runde!

Im letzten Teil der Inventur-Runde durch meine Wohnung werfe ich ein Blick ins "Feuchtgebiet", wo sich allerlei Beauty-Gerätschaften befinden. Also auf ins

Bad:
  • Elektrische Zahnbürste: Laut Zahnarzt die beste Art, die Beißer sauber zu halten. Finde ich auch - brauche ich 2 x täglich (eine Zahl < 2 wäre ja jetzt auch echt bäh)
  • Föhn: Am Wochenende kann ich auf das Gepuste durchaus verzichten, da trocknet mein Pixie auch an der Luft. In der Woche will ich aber ungern um 5.30 Uhr mit nassen Haaren rausgehen. Insofern ist der Föhn ein Muss für mich, leider. Der hier ist außerdem klein und klappbar, perfekt für Reisen - brauche ich 5 x pro Woche
  • Föhn 2: Mist, erwischt. Streng genommen brauche ich tatsächlich nur einen Föhn. Müsste ich mich entscheiden, würde ich vermutlich den kleinen oben behalten, den großen Kawenzmann verschenke ich dann weiter - brauche ich nie --> verzichtbar!
  • Lockenwickler: Zu meinen Langhaar-mit-Stufen-Zeiten tüddelte ich die äußeren Partien gern nach außen, indem ich eine Rundbürste mit integriertem Föhn durch die Haare zog. Bei meinen streichholzkurzen Haaren ist das jetzt Unfug, der Wickler fängt nur Staub - brauche ich nie --> verzichtbar!
  • Heizlüfter: Ach du lieber Gott. Das Ding ist nun wirklich die peinlichste Elektroleiche in meiner Wohnung - Stromvernichter, Bakterienschleuder, hässlich wie die Nacht und laut noch dazu. Für warme Füße nutze ich doch lieber Heizung oder Socken - brauche ich nie --> verzichtbar!
Erkennbar ist die wachsende Zahl unnützer Geräte, nicht wahr? Von Dubletten mal ganz abgesehen habe ich auch einige Geräte, die ich (mittlerweile) nicht benutzen kann bzw. benutzen will. Definitiv also Handlungsbedarf.

Aber noch sind wir ja nicht ganz durch. Ein Räumchen fehlt - dort, wo kein Tageslicht hinkommt. Macht euch schmal, jetzt geht es in den

Abstellraum:
  • Staubsauger: Ohne Sauger hat man 2 Möglichkeiten: Wischen und die Teppiche Teppiche sein lassen, oder die Teppiche nach draußen schleifen und ausklopfen. Bei einem 3 x 4 Meter großen Flokati, auf dem eine Eckcouch und ein kleiner Tisch steht, überlege ich mir die Schleiferei lieber gut und sauge währenddessen munter weiter - brauche ich 1 x pro Woche
  • Waschmaschine: Öh ... brauche ich da noch ein Pro-Argument? Waschbretter sieht man heuzutage ja dann doch lieber an gut gebauten Männerkörpern ;-) - brauche ich 1 x pro Woche
  • Sandwichmaker: Ups, die nächste Leiche. Ein Triple-Gerät zum Grillen, Sandwich-Quetschen und Waffeln backen. Nett, aber unhandlich, brenzlich nach schmurgelndem Plastik riechend und doof zu reinigen - brauche ich 1 x pro Jahr --> verzichtbar!
  • Pürierstab: Für Suppen und Marmelade verdammt praktisch, aber laaaaaut wie sonst was. Die Benutzung ist mir also sehr unangenehm - brauche ich 1 x pro Monat --> verzichtbar!
  • Espressokocher: Vom Männeke vererbt, der lieber seinen Automaten um die schwarze Grütze aka Espresso bemüht. Da ich keinen Espresso trinke und der aus dem Gerät schmeckt wie angekokelt, verkaufe ich das Gerät bald - brauche ich nie --> verzichtbar!
  • Bügeleisen: Wer näht, der bügelt - zwangsläufig. Zähle ich die Arbeitsstunden eines Nähstücks zusammen, fallen davon locker 70 % auf Zuschneiden und Stecken, 20 % Bügeln (Nahtzugaben umbügeln - hurz ...) und gerade mal 10 % effektives Nähen. Ach ja, und meine Pullis, Unterhemden und Jeans bügele ich auch. So piefig bin ich dann doch. Insofern - brauche ich täglich
  • Gästebett: Wenn man davon absieht, dass das Ding elend unbequem ist und über Nacht gemütlich Luft verliert, ist es auch noch laut wie ein Staubsauger, wenn es sich aufpustet. Nüscht mit nachts schnell mal Bettchen machen also. Meine Gäste residieren dann doch lieber auf der Couch - brauche ich nie --> verzichtbar!

Nach der Bestandsaufnahme ist vor der Trennung

Ja, das war mir von Anfang an klar gewesen, als ich die Inventur startete - so ganz ohne Trennungsschmerz geht das nicht von der Bühne. Ich habe in alle Ecke geschaut, ich habe mein Nutzungsverhalten analysiert und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich zahlreiche Geräte wenig bzw. gar nicht benutze.

Daraus ziehe ich die Konsequenzen und werde mich von einigen trennen. Als Abnehmer haben sich schon Freunde und Bekannte herauskristallisiert (getreu nach dem Motto: "Wollte ich mir schon immer mal kaufen!" - na dann: Bitteschön). Den Rest versuche ich, über ebay an den Mann zu bringen.

Insofern: Was darf nun alles meine Wohnung verlassen?
  • D-LAN: Die Adapter kommen zum Männeke - dort werde ich ab Sommer Telearbeit machen, und er zieht mit seinem Büro unters Dach. Da er kein W-LAN bzw. voll vernetzte Zimmer hat, sind die Adapter hier gut zu gebrauchen, um auch ihm Zugang zum Internet zu gewähren.
  • Cafissimo: Entweder wird sie an eine gute Freundin verschenkt, oder ich verkaufe sie weiter. Auf jeden Fall kommt sie weg, den frei gewordenen Platz kann ich besser nutzen.
  • Eismaschine: Pünktlich zum Saisonstart landet das Gerät bei ebay und wird einen anderen Käufer hoffentlich glücklich machen. Ich hole mir dann wieder wie immer meine zwei Kugeln beim Italiener in der Innenstadt.
  • Föhn: Einer geht, einer bleibt. Ich behalte wohl den kleinen, den großen schenke ich meiner Mutter.
  • Lockenwickler: Auch den kriegt Muttern. Wech damit, Haare tüddel ich nicht mehr.
  • Heizlüfter: Wer das olle Ding haben will, der kriegt noch nen Zehner von mir dazu ;)
  • Sandwichmaker: Klar, dass der wegkommt. Das Ding sieht weder hübsch aus noch ist es sonderlich praktisch.
  • Pürierstab: Auch der kommt weg. Ein Gerät, das ich nur mit Oropax benutzen kann, ist mir nicht geheuer. Was ich pürieren will, kann ich auch mit der Lotte oder dem Kartoffelstampfer kleinkriegen.
  • Espressokocher: Der stand schon die ganze Zeit über auf der roten Liste. Sobald er sein Foto-Shooting hinter sich hat, darf er bei ebay nach einem neuen Zuhause suchen.
  • Gästebett: Ich behalte es noch, solange ich zwischen zwei Wohnungen grätsche. Sobald ich fest bei Männeke wohne, kommt das Ding weg - Männeke hat genug Schlafplätzchen für Besucher.

Wahnsinn, oder? Auf einen Schlag so viele Geräte zu identifizieren, die ich absolut nicht brauche, ist erschütternd. Wenn man dann noch bedenkt, dass die allesamt meine 50 qm zumüllen, umso mehr. Es sind alles keine großen, wuchtigen Geräte, und doch rauben sie Platz.

Angenehm ist der Gedanke, einen ganzen Schwung Plastik loszuwerden und dafür mit plastikfreien Alternativen arbeiten zu können - und natürlich mit den Händen, ganz klar. In erster Linie unterstützen diese elektrischen Helferlein ja nur unsere angeborene Faulheit und unseren Drang nach neuem Spielzeug. Zumindest habe ich nun gelernt, in Zukunft etwas bedachter an etwaige Käufe heranzugehen, um mir weitere dieser Ausmist-Aktionen in Zukunft zu ersparen.

Freitag, 18. April 2014

Aufreger der Woche #8 - Qualität auf Talfahrt

Seit ich einen Großteil meiner Kleidung gebraucht kaufe, etwa über kleiderkreisel.de oder ebay, betrete ich kaum noch Klamottenläden. Insofern komme ich kaum noch in Berührung mit dem, was landläufig die "neue Kollektion" geschimpft wird, sondern trage eben das, was letztes Jahr verkauft wurde.

Bei meinen letzten Second Hand-Käufen fiel mir allerdings mehr und mehr auf, dass die Qualität vieler Marken über die Jahre nachgelassen hat - während die Neupreise teilweise gewaltig stiegen. Manche meiner Pullover von Marke X besitze ich schon seit Jahren, sie bestehen aus angenehm dicker Baumwolle, sind gut verarbeitet und weder verzogen noch verrupft. Die trage ich wirklich auf, bis nichts mehr geht - auf Trends pfeife ich. Aber die Stücke aus den neueren Kollektionen? Ein Graus. Nicht nur, dass der Stoff dünn und fadenscheinig ist, die Oberteile leiern schon beim Probieren so aus, als hätte man sie bereits 2 Tage lang getragen. 10 Mal waschen, und das Shirt ist ein Putzlappen.

Die Röcke, die von Marke Y stammen, waren vor etwa 5 Jahren ganz herrliche Stücke aus seidenweichem Batist, angenehm lang und schwingend. Und heute? Kunstfaser, knatscheng, mit grausligen Mustern und ganz fies vernäht. Neupreis wie gehabt bei mindestens 50 Ocken.

Und so geht es immer weiter. Schuhe: Früher schrubbte ich in denen über 2 Jahre täglich 5 km, heute verabschiedet sich nach einem Quartal schon die Sohle. Meine Brillenfassungen waren von Marke Z absolut unverwüstlich, bis ich beim nächsten Modell dem Lack schon nach einem Monat beim Bröseln zusehen konnte. Reklamation brachte mir nur ein zweites Bröselmodell ein.

Auf der Jagd nach der verlorenen Qualität

Mittlerweile scheint es wirklich eine Herausforderung zu sein, Mode mit halbwegs passabler Qualität zu finden. Sich am Preis zu orientieren ist keine Lösung, viele Marken verlangen wahre Mondpreise, damit man ihre stylischen Läden und Werbekampagnen mit finanziert. Als qualitätsbewusster Mensch wird man also zum Jäger, der durch die Stadt läuft und verzweifelt etwas sucht, dass er nicht schon nach einmaligen Tragen entsorgen kann.

Was also tun?

Zum einen natürlich - auftragen. Aber irgendwann ist auch das beste Shirt mal verwaschen, der Lieblingsrock fadenscheinig, die Schuhe durchgelatscht. Eine halbwegs sichere Alternative sind natürlich die vielen Zertifizierungen und Labels der "grünen" Mode. Wenn man sich an den Gedanken gewöhnt hat, für ein Kleidungsstück das Zwei- bis Dreifache des Preises zu zahlen, den man in konventionellen Läden verlangt, bekommt man dafür auch passable Kleidung.

Ansonsten hilft einfach der geübte, kritische Blick, wenn man ein Kleidungsstück in die Hand nimmt:

Stoff:
Damit steht und fällt eigentlich das ganze Kleidungsstück. Schlechtes Material kann nie ein gutes Endprodukt werden, egal in welcher Branche. Insofern ist hier wichtig:
Wie ist die Qualität des Stoffes? Ist er sehr dünn, fast schon durchscheinend? (bei Sommergarderobe natürlich eher gewünscht) Gibt der Stretch mehr nach als beabsichtigt? Findet man gar schon Löcher im Gewebe bzw. an den Nahtstellen? Wie hoch ist der Anteil natürlicher Fasern? Und nach dem Kauf: Blutet die Farbe sehr stark aus?

Muster:
Ob kariert, gestreift, geblümt oder gepunktet: Gemusterte Stoffe sind anspruchsvoll, was die Verarbeitung angeht, und daran entlarvt man eigentlich relativ leicht schlampige Zuschnitte und Näharbeiten. Denn der Rapport, also die kleinste Einheit eines sich wiederholenden Musters, sollte im fertigen Kleidungsstück harmonisch an den Nähten zusammenstoßen. Je größer der Rapport ist, desto kniffliger wird das ganze und desto mehr Verschnitt entsteht beim Stoff. Entsprechend sind minderwertige gemusterte Stücke häufig mehr schlecht als recht zusammengestoppelt und wirken dadurch unruhig.
Ein gutes Beispiel sind Business-Anzüge: Schaut euch mal teure Sakkos mit Nadelstreifen an - die Streifen treffen an Nähten und an den Taschen immer exakt aufeinander.
Und Karostoff gilt als Material für Fortgeschrittene und bekommt in manchen meiner Nähbücher sogar ein eigenes Kapitel für den Zuschnitt gewidmet.

Zuschnitt:
Kleidung von der Stange sind keine Maßanfertigung, das muss man sich immer vor Augen führen. Es sind Standard-Schnitte in Standard-Größen. Insofern ist es kaum zu vermeiden, dass ein Kleid Person A zufällig passt wie angegossen, während es an Person B Falten und Beulen wirft.
Dennoch dürfen die Zuschnitte nicht ungleichmäßig sein: Unterschiedlich lange Ärmel, Röcke, die vorne kürzer sind als hinten, schiefe Taillen oder ungleiche Schultern kann man leicht entdecken, wenn man Kleidungsstücke mittig zusammenfaltet und die beiden Hälften auf ungleiche Stellen kontrolliert. Teilweise sind sogar zwei exakt gleiche Kleidungsstücke unterschiedlich geschnitten - es schadet also nie, bei der Anprobe zwei Exemplare mitzunehmen und beide zu testen.

Nähte:
Jetzt geht es allmählich an die Details. Nähte sollen in erster Linie den Stoff zusammenhalten, logisch. Wer selbst näht (und auf Qualität achtet), weiß, wie schwierig gute Nähte sind und wie oft man vermurkste wieder auftrennen muss - eine schlampige Naht kann im Extremfall das ganze Kleidungsstück ruinieren, wenn sie etwa ausfranst auf gar aufreißt. Insofern sollte man skeptisch werden, wenn man lose Fäden findet, die Naht bereits stellenweise aufgelöst ist, die Stiche sehr lang oder unregelmäßig sind und ein minderwertiges und schnell reißendes Garn verwendet wurde. Industriell gefertigte Shirts werden häufig mit Over- und Coverlockmaschinen vernäht, die beim Nähen bereits zuschneiden bzw. eine Doppelnäht samt Zickzack-Versäuberung in einem Arbeitsgang erledigen. Diese Nähte dröseln sich erfahrungsgemäß sehr gern auf, wenn der Stoff etwa nicht genau aufeinanderlag.

Informationen:
Die im Innern eingenähten Etiketten werden meistens ungelesen herausgetrennt und entsorgt - weil sie kratzen, sich abzeichen und einfach nerven. Trotzdem sollte man einen Blick riskieren, denn diese Zettelchen geben einige Infos über Material, Herkunft, besondere Pflegehinweise (abfärbende Stoffe etwa) und enthalten im besten Falle auch Ersatzteile wie Knöpfe.
Fehlen diese Etiketten komplett, ist allerhöchste Vorsicht geraten - dann hält man häufig ein illegal hergestelltes Stück in den Händen, bei dem man nicht nachvollziehen kann, aus welchem Stoff es ist und woher es stammt. Lieber Finger weg!

Montag, 14. April 2014

Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 2

Elektrische Haushaltsgeräte sind die Wunderkinder der Konsumwelt, die Streber im Elektroladen und die verhasste Brut im Küchenschrank. Wohl kaum ein Utensil traf den Nerv der Zeit so sehr wie all die praktischen Helferlein, die uns den Alltag erleichtern sollen, indem sie uns die mühseligen Handgriffe und Tätigkeiten abnehmen, die wir sonst mit Muskelkraft bewältigen müssten.

So klingt es zumindest in der bunt geblümten Werbe-Welt. Aber dort können Einhörner ja auch Regenbögen pupsen. Validität = 0.

Leider sind diese Geräte aber auch ein Paradebeispiel des Konsumirrsinns - man erkennt erst genau dann das eigene Bedürfnis nach dem Etwas, nachdem man es gesehen hat. Haben-Wollen in Perfektion, das uns Geld, Zeit, Platz und Nerven raubt.

Rückblick

Bereits letzte Woche habe ich bei einem Streifzug durch meine Wohnung eine Inventurliste all meiner elektrischen Geräte erstellt. Zum einen, um mir bewusst zu werden, wie viel Krempel ich tatsächlich horte. Zum anderen, um mal streng mit mir zu sein und zu entscheiden, ob ich die ganzen Geräte tatsächlich brauche und von welchen ich mich womöglich schmerzfrei trennen kann.

Im Wohnzimmer tummeln sich naturgemäß größtenteils Unterhaltungsgeräte. Ob man die braucht, ist müßig zu beantworten - verzichten kann man auf vieles, aber man kann sich ja auch von Wasser und Heuschrecken ernähren. Ob es vergnüglich ist, ist eine ganz andere Nummer. Bis auf die zwei-drei-vielen Konsolen, die ich horte (verflixter Sammeltrieb ...), hänge ich an den meisten Geräten und denke deshalb so hurtig nicht über ein Ende dieser Liason nach. Aber das Stichwort Unterhaltung macht einem solche fadenscheinigen Argumente natürlich leicht.

Eine Inventur - und weiter geht's!

Heute ziehen wir die Daumenschrauben mal etwas fester und gehen dahin, wo sich jede Steckdose sofort heimisch fühlt - nämlich in die

Küche:
  • Wasserkocher: Daran scheiden sich die Geister, aber da ich a) einen Durchlauferhitzer habe und b) einen eher lahmen E-Herd, brühe ich Wasser für Nudeln oder Geschirrwasser immer vor, um Energie zu sparen. Für mich also absolut sinnvoll - brauch ich täglich
  • Toaster: Geschmackssache, sicherlich. Ich backe oft eingefrorene Brötchen auf oder stecke altes, trocken gewordenes Brot in den Toaster. Erspart den Backofen und vermeidet weggeworfenes Brot - brauch ich 2 x pro Woche
  • Mikrowelle: Die einen verehren sie, die anderen verteufeln sie. Ich nutze sie gerne, um den Herd nicht wegen einer Schale Suppe von gestern oder meinem Mikrowellenpferdchen anwerfen zu müssen. Man könnte durchaus ohne sie leben, aber sie spart im gewissen Maße Energie und geht einfach schneller - brauche ich 1 x pro Woche --> verzichtbar!
  • Mini-Backofen: Beim Einzug in meine Singlewohnung schenkte mir meine Mutter das Ding, um etwa Brötchen oder auch mal einen Kuchen backen zu können. War ich anfangs skeptisch, entdeckte ich rasch die Vorteile: Schnell aufgeheizt, wenig Stromverbrauch, ideal für kleine Backwaren. Nachteil ist natürlich der Platzbedarf - brauche ich 2 x pro Monat
  • Herd und Kühlschrank: Der Vollständigkeit halber nehme ich auch diese beiden Gesellen mit auf. Waren sie zu Omas Zeiten noch Luxus, kann man ohne sie heutzutage nur schwer haushalten - zumindest ohne nicht-elektrische Kochalternative und kühlem Keller. Habe ich beides nicht, insofern betrachte ich diese Geräte als absolut notwendig und verzichte auf eine Einschätzung ihres Gebrauchs.
  • Gefrierschrank: Lange habe ich überlegt, ob ich ihn brauche. Aber angesichts meines winzigen Gefrierfachs im Kühlschrank kann ich nahezu nichts einfrieren, was an Resten übrig bleibt. Und weggwerfen kommt für mich nie in Frage. Single-Portionen zu kochen ist schwierig. Natürlich frisst der Schrank Strom, und zwar nicht zu knapp, aber er unterstützt mein Kochen nicht unerheblich, da er auch TK-Gemüse (leichter zu portionieren als frisches) und Brot (damit ich nicht tagelang das gleiche essen muss) beherbergt - brauche ich täglich
  • Reiskocher: Reis esse ich selten, mag ihn aber so wie beim Chinesen - klebrig und nicht zu weich gekocht. Im Topf ist das eher Glückssache, aber dieser Reiskocher schafft den Reis immer auf den Punkt. Da er eher klein ist, nimmt er wenig Platz weg. Ob ich ihn aber wieder kaufen würde, bezweifle ich angesichts der Nutzungshäufigkeit - brauche ich 1 x pro Monat --> verzichtbar!
  • Tauchsieder: Lacht nicht - ich koche gerade in Hotels abends gern mal einen Tee und schleife dafür notfalls Tasse und Beutel mit. Der Tauchsieder erhitzt eine Tasse Wasser innerhalb weniger Minuten und ist damit verdammt angenehm. Die Frage ist natürlich, ob man abends im Hotel Tee braucht - ich jedenfalls schon, zu viel reines Wasser vertrage ich nicht. Da ich aber selten in Hotels bin, beschränkt sich seine Nutzung auf vielleicht eine Woche pro Jahr - brauche ich 1 x pro Jahr
  • Cafissimo: Über die Maschine redete ich schon bei meinem Kapsel-Recycling. Ich brühe ganz gern mal aus Faulheit damit, könnte aber auch problemlos mit dem Filter Kaffee zubereiten - brauche ich 1 x Woche --> verzichtbar!
  • Getreidemühle: Ein Geschenk meiner Mutter zum bestandenen Studium ist meine kleine Fidibus von Komo. Selbstgemahltes Getreide ist die Wucht, und da ich wöchentlich Brot backe, rattern einige Kilo im Monat durch den Trichter. Es bieten zwar viele Bioläden an, das Getreide zu mahlen, aber dann verliert es ja auch wieder direkt seine Inhaltsstoffe. Auf die Mühle will ich also nicht verzichten - brauche ich 2 x pro Monat
  • Kaffeemühle: Auch Kaffeebohnen mahle ich vor dem Brühen frisch. Dazu nutze ich eine kleine, handliche Kaffeemühle von Krups, die schon viiiele Jahre auf dem Buckel (ich schätze mal gute 20 - 30) und kaum Teile hat, die kaputt gehen können - brauche ich 1 x pro Woche
  • Mixer: Rührkuchen heißt Rührkuchen, weil man ihn zu Omas Zeiten rührte. Und zwar lange - in einem Kochbuch von 1900 las ich etwas von locker 30-60 Minuten. Heute hält man ein Wundermaschinchen in den Teig und hat binnen Minuten einen fluffigen, schaumigen Teig. Es geht ohne Technik, aber dafür braucht man Muckis *schwitz* - brauche ich 2 x pro Monat
  • Eismaschine: Ich weiß nicht, in welchem seelischen Zustand ich mich befand, als ich das Teil kaufte - wahrscheinlich war es draußen heiß, ebay menschenleer und ich verspürte ein übles Zucken im rechten Zeigefinger. Jedenfalls ersteigerte ich das Mist-Ding für 1 €. Leider arbeitet das Gerät ohne Kompressor, und das merkt man auch - das Eis schmilzt durch die Motorwärme schneller, als die Schüssel kühlen kann. Buäh - brauche ich gar nicht --> verzichtbar!

Erwartungsgemäß tummeln sich in der Küche so einige Elektroleichen, die man sich aus einer Laune heraus und ohne Nachdenken angeschafft hat. Leider sinkt der Wert dieser Geräte nach dem Kauf auf nahezu 0 - ein Wiederverkauf ist nahezu unmöglich bzw. nur mit großen Verlusten verbunden. Nur wertstabile Marken verhalten sich da etwas dankbarer, sind aber natürlich wiederum teurer, dafür aber langlebiger.

Nächste Woche geht es dann in die letzte Runde, und wir werfen mal einen Blick in Bad und Abstellraum. Hier verstecken sich ja gern die hässlichen Brüder und Schwestern der Hochglanz-Helferlein, die man vielleicht einmal im Jahr von ihrem Staub befreit und sich immer wieder darüber ärgert, wie nutzlos und / oder unpraktisch sie sind. Ihr dürft also gespannt sein!

Freitag, 11. April 2014

Aufreger der Woche #7 - Schnitzeljagd im Supermarkt

In meiner saarländischen Heimat gibt es eine große Supermarktkette namens "Globus", die ich wirklich liebe, die mich aber manchmal zur Weißglut bringt. Warum? Machen wir mal ein kleines Gedankenspiel:

Es ist Freitag, 18 Uhr. Ihr seid müde, hungrig, durchgekaut von der langen Arbeitswoche. Ihr betretet den Supermarkt, mit dem Vorhaben, schnell den Kühlschrank für das Wochenende zu füllen. Ihr krallt Korb oder Einkaufswagen, dirigiert ihn durch die Gänge, dorthin, wo Produkt X schon seit Urzeiten liegt und das ihr deshalb auch nie suchen müsst.

Und plötzlich steht ihr vor einem völlig anderen Regal.

Zaghafter Blick in den Hauptgang - nein, alles roger, ihr seid richtig abgebogen. Nur der Regalinhalt, der ist anders. Und zwar komplett anders. Es wurde umgeräumt. Und nicht nur so ein bisschen durchmischt, von oben nach unten vielleicht, nein. Da wurde mal eben das Feinkostregal leergeräumt und mit Nudelprodukten gefüllt. Kein Dijonsenf, keine Oliven, keine Würzpasten weit und breit.

Jetzt beginnt der Spaß: Hektisches Rennen durch die Nebengänge, ein Blick in jedes Regal - nix, nix, wieder nix. Wo zum Henker ...? Eine Aushilfe gerät ins Blickfeld und beginnt auf die Nachfrage nach dem verschollenen Feinkostregal hin zu stammeln. Neuer Warenspiegel ... Erst seit Wochenanfang dabei ... Keine Ahnung ... Sucht mal eben die Kollegin, die weiß das sicher ...

Nach etwa 15 Minuten findet man den Krempel dann endlich - verstreut bei Fertigprodukten, Soßengläsern und Dosenobst.

Quelle: sueddeutsche.de

Dieser Markt macht das oft - für meinen Geschmack zu oft. Praktisch über Nacht werden komplette Abteilungen umgeworfen und neu arrangiert, so dass man als Kunde in einem fremden Laden steht - und entsprechend verzweifelt die gewünschten Artikel sucht. Da verschwindet die halbe Drogerieabteilung, nur um am anderen Ladenende bei den Babyprodukten wieder aufzutauchen. Herrlich, diese Rennerei.

Die Angestellten erklären das mit logistischen und warenwirtschaftlichen Gründen. Der Zyniker in mir betrachtet das als Hinhalte- und Verwirrungstaktik, um den Kunden möglichst lange und möglichst intensiv alle Produkte abgrasen zu lassen. Das von mir gern angesteuerte Bio-Regal wurde beispielsweise aufgelöst und alle Artikel ihren entsprechenden Bereichen zugeordnet - man muss also zwangsweise durch das (nicht gerade kleine) Geschäft kreiseln und alles zusammensuchen, wo man früher einfach einmal das Regal entlangstreifte. Dabei findet man zum einen 50 % der gewünschten Artikel nicht und hat zum anderen 100 % mehr Artikel im Korb als eigentlich beabsichtigt. Humpf.

Mittlerweile betrete ich das Geschäft nur noch montags, wenn ich genug Nerven habe - oder genug Zeit, die Angestellten mit wirklich jedem gesuchten Artikel zu nerven. Denn die Damen, man mag es kaum glauben, fangen dann auch an zu suchen. Und wundern sich über die teilweise unlogischen Warenspiegel ...

Donnerstag, 10. April 2014

Lady Marmelade

Ich bin ein Frühstücksmensch. Nichts kann mich glücklicher machen als ein Korb frischer Brötchen, Kaffee, einen Schuss Milch, noch etwas mehr Milch, Butter, Frischkäse.

Und: Marmelade.

Quelle: natur-im-glas.de

Wenn ich an Marmelade denke, sehe ich sofort einen blubbernden Topf vor mir, eine Schar gespülte Gläser und eine Eieruhr. Für mich ist Marmelade etwas Selbstgemachtes, das ist für mich so selbstverständlich wie Tee kochen.

An mein letztes gekauftes Glas Marmelade erinnere ich mich mit Schrecken - es war am Ende des Urlaubs in der Ferienwohnung, als unsere Vorräte aufgebraucht waren und sogar die mitgebrachte Marmelade leer war. Wir kauften also notgedrungen ein Glas im Geschäft. Das glibberige, durchsichtige Zeug im Glas, das sich mir als Erdbeermarmelade vorstellen wollte, glitschte auf meinem Brot herum und mutierte mehr zum Wackelpudding als zum Brotaufstrich. Ich kratzte es herunter, versenkte es im Joghurt und griff zum Honig.

Alles eine Sache der Gewohnheit

Wenn ich anderen erzähle, dass ich Marmelade immer und ausschließlich selbst koche, schaue ich in große Augen. Ob das nicht aufwändig sei? Oder kompliziert? Oder teuer?

Nein, nichts davon. Ein Pott voll Marmelade ist in guten 10 Minuten fertig und reicht für mindestens 6 Gläser, die Anleitung ist auf jeder Packung Gelierzucker, und preislich fährt man sogar noch günstiger, sofern man als Referenz nicht die Billig-Marmelade aus dem Discounter, sondern ein hochwertiges (Pseudo-)Landprodukt nimmt.

Quelle: br.de

Experimentierküche

Besonders gern pansche ich ja alle erdenklichen Mischungen zusammen. Klassische Sorten wie Aprikose, Erdbeere und Johannisbeere habe ich natürlich immer parat, aber bei meinem Obstkonsum fallen auch immer wieder Obststücke an, die zu schnell weich und überreif wurden. Statt sie zu entsorgen, werden sie todesmutig zu Marmelade zerschreddert. Obst zusammenraffen, 1 kg abwiegen, pürieren, verkochen, fertig. Die Mischungen sind teilweise abenteuerlich, aber fast immer gnadenlos lecker (und ich vergesse jedes Mal, mir die Verhältnisse guter Mischungen aufzuschreiben *augenroll*).

Quelle: bilder.4ever.eu

Meine absoluten Lieblingsmischungen will ich euch trotzdem verraten, die Verhältnisse sind alle Circa-Werte:
  • BOBA: Birne, Orangensaft, Banane und Apfel zu gleichen Teilen püriert - süß-sauer, fruchtig, aromatisch
  • KiBa: der Klassiker aus Kirsch (75 %) und Bananen (25 %). Die Kirschen püriere ich ganz kurz mit dem Pürierstab, ansonsten verlieren sie zu viel Saft und werden eher zu Gelee.
  • Rhababer-Banane: 75 % Rhababer, 25 % Bananenstücke. Ausgefallen, aber richtig klasse! Rhababer lässt sich übrigens geschält und in Würfel geschnitten wunderbar in Portionen einfrieren.
  • Sommerfrucht: Eine Zufallsmischung meiner Mutter mit Kiwi, Erdbeer, Pfirsich und Aprikose. Von der Marmelade könnte ich mich ernähren!

Aufpassen muss man eigentlich nur bei manchen Fruchtsorten, die nicht richtig gelieren, weil sie etwa Enzyme beinhalten. Dazu gehören nach meiner Erfahrung:
  • Ananas
  • Kiwi
  • Rhababer
Um diese Sorten verarbeiten zu können, muss man auf jeden Fall eine Gelierprobe machen, die Marmelade am besten ein paar Minuten länger kochen lassen und eventuell mit etwas Pektin oder Gelierfix (eine fertige Mischung als Pektin und Zitronensäure) nachhelfen. Aber gerade bei Rhababer habe ich festgestellt, dass diese Marmelade auf dem Tellerchen noch flüssig erscheint, nach einem Tag im Glas aber bombenfest wird.

Oder doch lieber Soße?

Marmelade, mit der Hälfte des ursprünglich vorgesehenen Zuckers gekocht, wird entsprechend dünner und flüssiger. Was aus einem Unfall entstand, ist für uns mittlerweile ein wahrer Segen für Puddings, Eisbecher und Mousse geworden - Fruchtsoße! Seit dem machen wir einen großen Bogen um die Flaschen mit Fertigsoßen, die gerne im Geschäft beim Eis rumlungern, und greifen zu selbstgekochten Sößchen aus Erdbeer, Himbeer, Waldfrüchten, Kirschen oder Pflaumen.

Das Ding mit dem Sieb

Eine meiner liebsten Sorten ist ja Himbeer - aber ich hasse die kleinen Kerne, die man sich regelmäßig zwischen die Zähne beißt. Die Beeren als Saft zu verkochen ist auch nicht das Wahre, dadurch verliert man einfach zu viel Fruchtmark.

Eine Möglichkeit, Beerenmarmelade von den ungeliebten Kernen zu befreien, ist ziemlich simpel: Die Früchte im Ganzen wie gewohnt zu Marmelade kochen, danach aber durch ein feines Sieb streichen. Zum Sterilisieren die Masse wieder ganz kurz aufkochen und in die Gläser füllen. Fertig ist die Samt-Marmelade.

Keep it fresh - Das richtige Lagern

Am allerwichtigsten ist natürlich die Hygiene beim Kochen. Schmutzige Gläser, verklebte Ränder und Deckel, die kein Vakuum ziehen, ruinieren auch die beste Marmelade - für eine ordentliche Vorratskammer ein Desaster, noch dazu ist es extrem schade um die guten Rohstoffe. Ich spüle die Gläser immer heiß aus, fülle die Marmelade mit Trichter bzw. Messbecher ein und achte auf das typische Knacken, wenn der Unterdruck den Deckel festzieht.

Aber all das hilft nichts, wenn die Marmelade falsch gelagert wird. Je nach Zuckergehalt gehören angebrochene Gläser natürlich in den Kühlschrank und müssen zeitnah gegessen werden. Auch Schimmelbefall ist vom Zucker anhängig: Als Faustregel gilt, dass man Marmeladen, die einen geringeren Zucker- zu Fruchanteil als 1:1 haben, bei Schimmelbefall komplett entsorgen sollte. Bei anderen Sorten soll großzügiges Abschöpfen reichen, aber auch da bin ich skeptisch - deshalb lieber gleich weg mit dem Glas, die paar Löffel Marmelade rechtfertigen einen verdorbenen Magen nicht.

Und die verschlossenen Gläser? Am besten kühl und dunkel, etwa im Keller. Wer schon mal Erdbeer oder Aprikose verkocht hat, kennt wahrscheinlich den Anblick scheußlich grauer oder brauner Marmelade, die vor einem Monat noch so farbenfroh geleuchtet hat. Manche Sorten verlieren relativ schnell Farbe und Geschmack, besonders jene ohne hohen Säuregrad oder reines Steinobst.

Mein Tipp an dieser Stelle:
Entweder mischt man diese Sorten mit säurehaltigem Obst, oder man friert die fertig gekochten und abgekühlten Gläser komplett ein. Wirklich, das funktioniert! Geplatzt ist mir noch kein einziges Glas, und ich habe schon Unmengen eingefroren. Die Marmelade dafür einfach nicht komplett bis an den Rand füllen.
Ich befördere regelmäßig Erdbeermarmelade aus dem letzten Sommer hervor, die noch genauso frisch und knallrot rot ist wie im Juli. Das Glas einfach abends aus dem Gefrierfach nehmen und in den Kühlschrank stellen, morgens ist die Marmelade aufgetaut.

Montag, 7. April 2014

Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 1

Als ich letzte Woche in meinem Aufreger der Woche von meinem verstorbenen Fernseher berichtete, kam mir die Idee, doch mal eine gründliche Bestandsaufnahme all meiner elektrischen Haushaltsgeräte zu machen - und dabei wirklich kritisch zu hinterfragen, ob ich sie brauche und wie oft ich sie tatsächlich schon benutzt habe.

Retter in allen Lebenslagen

Solche Haushaltshelferlein werden einem ja auf Schritt und Tritt angeboten - nicht nur im Elektromarkt, sondern auch bei den Angeboten namhafter Drogermärkte, im Supermarkt, als Geschenk für ein Zeitschriftabo, im Discounter, damals bei Teleshopping *grusel*, einfach überall. Billig, praktisch, und ohne dieses Gerät ist man nahezu lebensunfähig oder zumindest eine ganz, ganz schlechte Hausfrau - wenn man der Werbung glauben mag.

Quelle: allgemeinbildung.ch

Und es gibt ja wirklich nichts, was es nicht gibt. Lasse ich mir bei Amazon alle Haushaltsgeräte auflisten, kommen Must-Haves wie Staubsauger und Bügeleisen, aber genauso auch Exoten wie Popcornmaschinen, Messerschärfer, Cake Pop-Maker und elektische Flaschenöffner. Schöne, bunte Elektrowelt.

Braucht man das wirklich?

Die Frage sollte man sich ab einem gewissen "Fuhrpark" wirklich stellen. Nicht nur, dass die Geräte Geld kosten, sie rauben auch Platz, entpuppen sich nach erstmaliger Benutzung als unpraktisch, sind schwer zu reinigen oder gar komplett funktionsuntüchtig, oder sie sind am Ende sogar noch gefährlich, weil aus Preisgründen keine hitzeisolierenden Oberflächen oder Sicherheitsabschalter eingebaut wurden. Am Ende bleibt nur teurer und unnützer Elektroschrott.

Am besten überlegt man natürlich schon vor dem Kauf, ob man das Gerät wirklich braucht. Dazu sollte man ehrlich zu sich sein und sich ein paar Fragen stellen:
  1. Wie oft nutze ich das Gerät?
  2. Brauche ich weiteres Zubehör oder besondere Zutaten? (Küchenmaschine)
  3. Wenn es Zubehör gibt: Wie leicht lässt es sich besorgen? (Spezialgeschäfte, nicht mehr unterstützte Auslaufmodelle)
  4. Kann ich auch ein anderes Gerät dafür zweckentfremden bzw. die Aktion auch von Hand erledigen? (Crepe-Maker vs. Pfanne)
  5. Erfüllt es die gängigen Sicherheitsnormen?
  6. Birgt es eine Verletzungsgefahr? (heiße Oberflächen, ungeschützte Klingen)
  7. Lässt es sich platzsparend verstauen?
  8. Wie einfach geht die Reinigung? Bin ich bei Handarbeit am Ende sogar noch schneller? (elektrischer Entsafter)
  9. Kann man das Gerät in hochwertigerer Ausführung auch mieten? (Schokobrunnen)
  10. Wenn ich es unbedingt haben muss: Kann ich es auch gebraucht kaufen?
  11. Wird es eventuell günstiger, wenn ich noch ein paar Monate warte? (Trends, neue Technologien)

Eine Bestandsaufnahme

Auch ich bin von solchen Wundermaschinchen leider nicht ganz verschont geblieben *schluck* Hätte ich mir die Fragen oben früh genug gestellt, würden vermutlich ein paar Geräte fehlen, aber ich würde ihre Abwesenheit nicht wirklich spüren.

Deshalb habe ich eine gründliche Inventur gemacht, mit der ich am Ende entscheiden will, welche Geräte ich unbedingt brauche und welche ich vielleicht verkaufen oder verschenken kann, weil sie nur Platz rauben und absolut sinnfrei sind.

Fangen wir also mal ganz gemächlich an, mit Dingen, die eigentlich (fast) jeder hat, nämlich im

Wohnzimmer:
  • Laptop 1: Mein Reisenotebook, klein und leicht. Damit schreibe ich, höre Musik, surfe - brauche ich täglich
  • Laptop 2: Großer 17-Zöller von der Uni, günstig abgekauft. Wird hauptsächlich zum Arbeiten bzw. für Onlinebanking genutzt, da der Kleine einen spiegelnden Monitor hat, den das TAN-Gerät nicht verträgt - brauche ich  1 x Woche
  • Tower PC:  Das Monster in meinem Rechner-Fuhrpark. Stark und mit großer Platte, aber leider auch mit hungrigem Netzteil. Deshalb dient er fast nur noch als Backup - brauche ich 1 x pro Monat
  • Monitor: Essentiell, um den Tower zu betreiben. Wird von daher genauso oft (bzw. wenig) genutzt wie der Computer - brauche ich selten
  • Router: Na ja, erklärt sich von selbst: kein Router, kein Internet - brauche ich täglich
  • Hi-Fi-Anlage: Wenn ich schon nicht Fernsehn schaue, will ich wenigstens Musik hören - brauche ich täglich
  • Xbox 360: ohne Fernseher natürlich so nützlich wie ein Rührlöffel ohne Topf - brauche ich (mittlerweile) gar nicht
  • Super Nintendo: Ja, ja, die Konsolen. Mein Groschengrab in meiner Jugend. Aus nostalgischen Gründen gebe ich sie nie und nimmer her. Wirtschaftlich also ein Totalschaden, aber irgendwas Unnützes muss man ja auch haben, oder? - brauche ich gar nicht
  • Playstation 2: Begründung siehe oben
  • Nintendo 64: Begründung siehe ebenfalls oben ;-)
  • Gamecube: Na, jetzt hört's aber auf. Wird ja schon fast peinlich hier, so als Game-Messie ...
  • D-LAN: Um die Konsole nicht über WLAN zu betreiben, ziehe ich den Netzanschluss über das Stromnetz. Da die Konsole aber nicht genutzt wird, brauche ich auch die Adapter nicht mehr - brauche ich gar nicht --> verzichtbar!
  • Nähmaschine: Müsste ich mich für maximal 3 Geräte entscheiden, die Singer wäre dabei. Ohne sie kann ich nicht leben, punkt - brauche ich absolut täglich

So viel schon mal bis hierhin. Im nächsten Teil schnuppern wir dann mal in die Küche - dort wimmelt es ja bekanntermaßen nur so vor elektrischen Helferlein, die das Kochen einfacher, bequemer und besser machen sollen.

Ob dem so ist? Fortsetzung folgt ;-)

Samstag, 5. April 2014

Kapsel-Recycling

Ich bin zwar kein Kaffee-Suchti, aber ab und an habe auch ich nichts gegen ein Tässchen einzuwenden. Seit einiger Zeit nutze ich zum Aufbrühen fast nur noch einen guten alten Porzellanfilter, der für mich den weltbesten Kaffee aufbrüht - und noch dazu herrlich wenig Platz wegnimmt und absolut idiotensicher zu benutzen ist. Filterpapier rein, Kaffee rein, Kanne drunter, Wasser drauf, fertig. Dank meiner putzigen kleinen Kaffeemühle kann ich den Kaffee portionsweise mahlen und habe - im entferntesten Sinne - also auch eine super Kaffeemaschine ;-)

Fürs Nachmittagskäffchen habe ich aber selten den Nerv, Kaffee zu kochen, deshalb nutze ich dann außnahmsweise die Plastikschleuder *schäm* Zu meiner Verteidigung: Es war ein ebay-Schnapper (2 €, so wahr ich hier stehe - es gab keinen Versand, nur Selbstabholung hier in Hannover).


Leider hat der Kaffeespucker die Schwäche aller modernen Kapselmaschinen: den anfallenden Müll. Und wenn man von dem Berg Restmüll mal absieht, kostet der portionierte Kaffee umgerechnet auch ein kleines Vermögen - dafür könnte ich in die Handrösterei in der Stadt gehen und mir die teuersten Bohnen kaufen.

Folgenschwere Mülltrennung

Durch Zufall entdeckte ich beim Versuch, im Sinne der Mülltrennung Kaffeesatz und Kapsel separat zu entsorgen, dass sich die Kapseln nach dem Öffnen wieder schließen lassen. Und mehr noch: Nach kurzer Recherche im Internet erfuhr ich, dass man die Kapseln tatsächlich erneut füllen und verwenden kann - die Maschine interessiert es nicht, ob das Aludeckelchen oben und unten noch dran ist.

Ich testete mutig die erste befüllte Kapsel und erwartete vieles: von einer Kaffeefontäne, die sich als Kaskade bis in den letzten Winkel der Küchenzeile ergießt, über schmaddeliges Kaffeewasser mit Bodensatz in der Tasse, bis hin zu Systemstörungen und wild blinkenden Lämpchen an der Maschine.

Und ich bekam Kaffee.
Der nach Kaffee aussah, roch und schmeckte. Maschine blieb heil, Kapsel blieb ganz, ich war happy.

How to do

Die Kapseln lassen sich relativ einfach öffnen und befüllen:
  1. Nach dem ersten Benutzen sieht die Kapsel so aus: Oben und unten wird von der Maschine ein Loch eingestanzt, damit das Wasser durchfließen kann. 
  2. Die obere Folie entfernen - das geht am besten mit einem kleinen spitzen Messer. Unter der Folie verbirgt sich ein kleines Sieb.

  3. Die Kapsel umdrehen und vorsichtig zusammendrücken, dadurch springt das Sieb ab. Dann die Kapsel vorsichtig ausklopfen, so dass der Kaffeesatz herausfällt. Am Boden der Kapsel befindet sich ein weiteres, kleineres Sieb.
  4. Die drei Teile reinigen und trocknen.
  5. Zum Befüllen das kleine Sieb wieder einsetzen und Kaffeepulver einfüllen (die Menge richtet sich nach der gewünschten Kaffeestärke - ich fülle den Kaffee locker bis zum oberen Rand ein und streiche ihn dann kurz glatt, ohne fest zu drücken). Das obere Sieb auflegen und sachte andrücken, es rastet kaum merklich ein - so bleibt der Kaffee auch an Ort und Stelle.
  6. Die Kapsel wie gewohnt in die Maschine einsetzen und den Kaffee brühen.
Nach dieser Anleitung benutze ich meine Kapseln über mehrere Monate hinweg - wenn man mal einen Satz von etwa 10 Stück hat, verschleißen sie auch nicht so schnell. Bisher habe ich aber erst 2 oder 3 Kapseln tatsächlich entsorgen müssen, der Verschleiß hält sich also in Grenzen.

Viel Vergnügen beim Basteln ;-)

Freitag, 4. April 2014

Aufreger der Woche #6 - Perdü

Es gab Zeiten, da hielten sie ewig - das Radio mit Holzverkleidung, die Küchenmaschine von Bosch, die gute alte Koffernähmaschine samt Untertisch, der Benzinfresser mit Revolverschaltung. Sie waren dazu gemacht, ewig ihren Dienst zu tun, und dafür eben etwas teurer, klobiger, schwerer, praktisch designter.

Quelle: holidaycheck.de

Heute möchte man so was natürlich nicht, ganz klar. Heute muss man schon zeigen, dass man mit der Zeit geht und keinen Trend verpasst, und sei es nur die neueste Gehäusefarbe der Kaffeekapsel-Maschine. Dank einer ganz wunderbaren Idee namens geplanter Obsoleszenz kommen wir Kunden heutzutage in den Genuss, uns regelmäßig all die neuen, hübschen, modernen, coolen Geräte kaufen zu dürfen, die der Markt extra für uns herstellt und aufwändig vermarktet. Weil unsere alten Geräte so zuverlässig sind und genau dann den Löffel abgeben, wenn die Garantie gerade verstrichen ist, haben wir also immer direkt das neuere Exemplar davon parat. Praktisch, oder?

Unschuldiger Hersteller?

Die Hersteller streiten natürlich unerbittlich ab, dass sie Sollbruchstellen in ihre Geräte einbauen. Aber den Grund für Zahnräder aus Plastik in Mixern, wärmeempfindliche Lötstellen in Mainboards, fest verbaute Akkus in Handys und Zählerchips in Druckern wollen sie nicht erklären. Meistens sind es winzige Bauteile, die gerade mal ein paar Cent kosten, aber das komplette Gerät in teuren Müll verwandeln können. Reparieren lassen sich die Geräte selten, und wenn, dann ist eine Reparatur teurer als ein Neukauf und wird von vielen Händlern schon gar nicht mehr angeboten. Aus "Kulanz" drückt man dem Kunden eben ein neues Bügeleisen in die Hand und lässt ihn wieder abdampfen (welch ein Wortwitz *g* ).

Meine Erfahrung mit der lieben Obsoleszenz

Ich hatte mir schon vor langer Zeit geschworen, elektische Geräte bis zum bitteren Ende zu benutzen, zu reparieren, was sich reparieren lässt, und nach dem Tod eines Geräts zu überlegen, ob sich eine Neuanschaffung lohnt. Denn vieles von dem ganzen (größtenteils billigen) Krempel braucht man eigentlich gar nicht, stellt sich damit nur Küche, Keller und Abstellraum voll. Bei vielen Kleingeräten fiel mir der Abschied sehr leicht (Stichwort: Sandwichmaker ...). Bei anderen musste ich schon ein paar mal schlucken, ehe ich mich dann mit der mechanischen Alternative anfreundete (Allesschneider).

Aber seit einigen Tagen habe ich eine verdammt große Elektroleiche in meiner Wohnung, die nicht nur mental, sondern auch räumlich ein Loch hinterlässt (hier noch in meinem alten Zimmer):

 
Keine 7 Jahre hat er auf dem Buckel, 1 Reparatur in der Garantiezeit und über 1500 Ocken teuer damals (ich war wahnsinnig, ich weiß ...). Jetzt schlägt die Macht der modernen Technik zurück, und exakt der gleiche Fehler wie damals tauchte auf - ein ganz eigenartig gedoppeltes Bild, das von unten nach oben gespiegelt wird. Damals wurde ein Teil auf dem Mainboard ausgetauscht, erzählte man mir. Die geschätzten Reparaturkosten wurden damals schon auf knappe 200 € geschätzt.

Ein Leben ohne Glotze? Challenge accepted!

Ich habe lange überlegt, ob ich eine erneute Reparatur durchführen lassen soll. Aber ein Gerät, dessen Zeitwert wohl im zweistelligen Bereich liegt, für eine dreistellige Summe flicken zu lassen, ist nicht wirklich wirtschaftlich. So sehr es mir widerstrebt, aber die Kiste und ich haben wohl die längste Zeit miteinander gelebt. Die Obsoleszenz hat ein weiteres Opfer gefordert, das ich diesmal nicht mehr retten kann.

Und das bedeutet: Ich bin ohne eigenen Fernseher. Zum ersten Mal seit ... uhm ... 20 Jahren?

Nicht, dass ich viel und oft schaue (meistens läuft das Gerät als Hintergrundrauschen, wenn ich nähe), aber ich stelle mir die Umstellphase schon sehr interessant vor. Und ich habe beschlossen, dass ich die Zeit, in der ich sonst tatsächlich das Gerät anstarrte, bewusst nutze. Etwa, abends ordentlich am Tisch zu sitzen, statt mir ein Brot auf dem Sofa zwischen die Kauleiste zu schieben. Oder samstags nachmittags nicht aus Reflex das Ding einschalte, weil mich die Stille stört, sondern einfach mal Musik höre. Oder meine Xbox abbaue und verstaue. Oder meine DVD-Sammlung tüchtig ausmiste und den Rest bei Männeke deponiere.

Oder mir überlege, was ich mit dem freigewordenen Lowboard anstelle, das sehr bald leer und verlassen dastehen wird.

Hui, was so ein Gerät auch alles an Umwälzungen mit sich bringen kann ...

Mittwoch, 2. April 2014

Stöckchen werfen - Meine 5 Wunschbücher

Marlene von Verrücktes Huhn hat diesmal mir ein Buchstöckchen zugeworfen - und das wird doch glatt gefangen und ihm dieser Post gewidmet. Thema des Stöckchens:

5 Bücher, die ich lesen möchte

Die Regeln:
Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

Ich könnte glatt 50 Bücher aufzählen, die ich in der nächsten Zeit lesen will - entsprechend schwer ist mir die Auswahl auch gefallen. Aber ich habe einfach mal bunt gemischt und alle Listen durchgeschaut, und vielleicht wird der eine oder andere von euch inspiriert.

Was die Weitergabe des Stöckchens angeht: Ich will das Stöckchen weder fremden Blogs aufdrängen (dafür bin ich noch zu wenig bewandert in der Blogger-Welt) noch versumpfen lassen. Deshalb biete ich es von jetzt an immer wieder jenen Bloggern an, die ich etwas besser kennengelernt habe. Dann dauert das Weitergeben zwar etwas, aber ich lasse es auch nicht aus den Augen :)

1. Altgeliebte Begleiter


Als Liebhaber von allem, was kuschelt, horte ich natürlich einige alte, abgeliebte Wegbegleiter. Und denen sieht man ihre Karriere als Tränentrockner, Mutmacher, Spielkamerad und Kindertherapeut oft an. Insofern sprach mich dieser Bildband prompt an: Wundervolle Portaits von wackeren Recken unserer Kindheit, die das abgekuschelte Fell zurechtgebürstet, die Suche nach dem lange verlorenen Kullerauge seit Jahren at acta gelegt und ihrem Besitzer auch mal grobe Misshandlungen längst verziehen haben - Veteranenstolz im Teddyherz, sozusagen.

2. Konsumkultur

 
Das Phänomen des Haben-Wollens kennt sicher jeder: Man sieht etwas und denkt, dass man jetzt und auf der Stelle tot umfällt, wenn man das Etwas nicht sofort bekommt. Dass man das ganze Leben nur darauf gewartet hat.
Hinter diesen Psychotricks steckt eine ganze Machinerie an Produktdesignern, Marketingfachleuten und Verkaufsräumen, die nur existieren, um uns Produkte anzudrehen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Warum wir trotzdem unser letztes Hemd dafür geben würden, erleuchtet dieser Ratgeber von Wolfgang Ullrich.
 


3. Upcycling


Ich liebe es, Taschen zu nähen. Da ich Stoffe von der Stange aber langweilig finde und gerne mit dem experimentiere, was vorhanden ist, trifft dieses Nähbuch bei mir voll ins Schwarze: Schöne Schnittmuster für Taschen, die aus alten, wiederverwerteten Kleidungsstücken bestehen. Für mich und mein Blog also perfekt!

4. Vorrat und Müllvermeidung


Bisher erstrecken sich meine Versuche in der Konservierung von Lebensmittel nur auf wenige Dinge: Marmelade, getrocknete Früchte, Sauerkraut, Knäckebrot. Um hier mein Wissen etwas auszuweiten und die eine oder andere Idee in meinen Fundus aufzunehmen, will ich mir dieses Buch hier besorgen - und hoffentlich bald einen stattlich gefüllten Vorratskeller vorweisen können ;-)

5. Alternatives Leben


Zum Abschluss was zum Schmökern: Ich mag ja ausgefallene Lebensberichte, und gerade Aussteiger und Alternative faszinieren mich wegen ihrer Ansichten und ihres Mutes, auch mal querzutreiben. Vielleicht ist das nicht unbedingt die Lebensart, die ich anstrebe, aber es ist sicher schön zu lesen, dass es eben doch geht, mal nicht dem Mainstream zu folgen.

Freitag, 28. März 2014

Aufreger der Woche #5 - Wardrobing

Als ich vor einigen Tagen seit langer Zeit wieder an der Kasse eines Kleidungsgeschäftes stand (mit einem paar Socken in der Hand - eines der wenigen Kleidungsstücke, die ich wirklich nicht gebraucht kaufen will), stand vor mir eine Dame mit einem Stapel Klamotten, den sie umtauschen wollte. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Kassiererin das Zeug zusammenraffte, einscannte und das Geld zückte, gab mir zu denken - sie schaute sich die Sachen nicht mal genau an, prüfte nur, ob die Etiketten dran sind. Selbst Umtausch ohne Kassenzettel wird immer öfter akzeptiert, zumindest durch Ausstellung eines Gutscheins.

Ein neuer Trend - Wardrobing

Bei uns zum Glück noch eine Randerscheinung, grassiert in den USA ein bedenklicher Trend in Sachen Umtausch: Wardrobing, das systematische Kaufen, Tragen und Zurückgeben von Kleidung.

Mit Sicherheit hat jeder schon mal Kleidung gekauft, sei es online oder im Geschäft, und sie zuhause nochmal angezogen, ohne das Etikett zu entfernen - um zu schauen, wie das Oberteil mit den Hosen harmoniert, um herauszufinden, ob das Kleid im heimischen Spiegel immer noch so süß ist, oder um zu testen, ob die Schuhe nach halbstündigem Tragen in der Wohnung nirgends zwacken und reiben.

Quelle: Pixabay

Was ist erlaubt?

Was aber, wenn man die Kleidung danach nicht mehr auszieht, sondern sie einfach anbehält, das Etikett nicht entfernt, das Outfit abends auf der Party trägt? Wenn man dann, tja, den ganzen Klumpatsch wieder ins Geschäft schleift, den lieblichen Augenaufschlag macht und bedauernd erklärt, dass das Zeug auch nach längerer, ähm, Bedenkzeit irgendwie doch nicht passt? Kassenbon hat man noch, Etikett ist schließlich auch noch drin, alles geritzt.
Oder?

Quelle: Pixabay
Fakt ist, dass solches Verhalten Betrug ist - es verursacht Schäden von umgerechnet über 6 Milliarden Euro, die von den restlichen Kunden mitgetragen werden müssen. Kleidung, die eindeutige Tragespuren aufweisen, kann nach dem Umtausch nicht mehr verkauft werden. Und aus Angst, den Kunden zu verlieren, nehmen einige Geschäfte auch sichtbar getragene Kleidungsstücke zurück.

Meistens sind es besondere Anlässe, etwa Feste oder einzelne Bewerbungsgespräche, die eine Anschaffung teurer Klamotten unrentabel machen. Wozu ein paar 100 Euro ausgeben, wo man das Kleid doch eh nur einen Abend lang trägt? Man macht es schließlich weder kaputt noch schmutzig. Und wenn so ein Fummel im Geschäft mehrmals anprobiert wird, sieht es danach auch nicht mehr taufrisch aus.

Und bei uns?

Auch wenn die Kunden in Deutschland (noch) ehrlich zu sein scheinen, findet man auch hier immer wieder Sicherheitsvorkehrungen, um den Trend des übertriebenen Umtauschs einzudämmen: Etiketten, die so angebracht sind, dass man sie kaum verbergen kann, Sicherheitsplomben, die vor dem Tragen entfernt werden müssen, und akribische Verkäuferinnen, die die Sohlen zurückgegebener Schuhe gründlich unter die Lupe nehmen. Ein Schritt in die richtige Richtung, wie ich finde, damit Kunden mit ehrlichen Absichten ohne Ärger Kleidung umtauschen können, die wirklich nicht passen. Mit Maß und Ziel, versteht sich.

Mehr Infos auf sueddeutsche.de.

Mittwoch, 26. März 2014

Vorsicht, ansteckend!

Als Pendler über 500 km bin ich bei meinen Eltern vielleicht mal alle paar Wochen zu Besuch. War ich früher noch Teil des familiären Alltags, bin ich jetzt maximal Zaungast - gern gesehen, aber mit eigenem Leben und irgendwie nicht mehr wirklich greifbar.

Umso schöner sind die Stunden des Austauschs, wenn ich mit meiner Mutter klönend in der Küche sitze und wir uns bei einer Tasse Tee die Erlebnisse unserer letzten Wochen erzählen. Dabei kommen wir natürlich auch immer wieder auf das Thema DIY, das uns beide schon seit Jahren verbindet. Und immer wieder kommen wir an der Frage an: Wer hat eigentlich wen angefixt?

Und Mom ist doch die Beste ;-)

Meine Mutter ist noch aus einer Generation, in der Hauswirtschaft auf dem Stundenplan stand. Sie lernte kochen, nähen, häkeln, stricken. Kochen tut sie täglich, aber den Rest vernachlässigte sie mit den Jahren. Genäht wurde eigentlich nur zum Zweck der Reparatur, ansonsten staubte die Nähmaschine im Keller herum. Sie half mir in der Schule, einen Topflappen herzeigbar zu häkeln, und webte abends auch mal den kleinen Bilderteppich fertig, den ich als Hausaufgabe abgeben sollte. Sie nähte mir einen Umhang für das Theaterstück in der Grundschule. Aber zu mehr raffte sie sich selten auf.

Digitale Handarbeit

Mit den Jahren wagten wir uns dann nach und nach an das Thema DIY heran. Sie kochte mehr und mehr Marmelade selbst, ich fing an, mit Sauerteig Brot zu backen. Sie kaufte immer weniger Fertigtütchen und Glutamat-Bomben ein, ich raspelte kiloweise Weißkohl für selbstgemachtes Sauerkraut. Sie nähte Stuhlhussen für die alten, abgewetzten Küchenstühle, ich versuchte mich an den ersten kläglichen Versuchen, eine Handtasche zu nähen. Dabei präsentierten wir uns immer gegenseitig unsere Werke und spornten uns zu mehr an. Genährt wurde dieser Prozess durch den ersten PC, den ich meiner Mutter zusammenschraubte und mit dem sie fortan ebay (sehr zum Leidwesen meines Vaters - und des Postboten) nach schönen Stoffen, Borten und Secondhand-Kleidern durchwühlte.

Und heute?

Seit ich ausgezogen bin und meine Mom damit offiziell von ihrem Amt der Vollzeit-Mutter enthoben habe, lernte sie die Vorzüge einer gepflegten Portion Egoismus und persönlicher Freizeit kennen und lieben. Wir schwingen uns beide immer mehr hoch, nähen, backen und experimentieren, was das Zeug hält, und erklären uns gegenseitig, wie toll diese gemeinsamen Interessen doch sind. Und es macht verdammt viel Spaß!

Mittlerweile versuche ich, auch andere Leute mit DIY anzustecken. Und entdecke immer öfter, wie groß die Lücken teilweise sind. Meine Cousine, 4 Jahre jünger als ich, hat z.B. nie in der Schule häkeln gelernt - da ihre Mutter es genauso wenig kann, brachte es ihr niemand bei. Statt gekaufter Kleinigkeiten verschenke ich hübsche, selbstgenähte TaTüTas, Beutelchen, Anhänger. Ich gehe mit Freundinnen Stoffe kaufen, die sie dann bei mir auf meiner Nähmaschine zu etwas Kleinem vernähen, zaghaft anfangs, aber mit der Zeit immer mutiger und begeisterter. Ich führe selbstgenähte Taschen und Röcke aus und erkläre auf Nachfrage, dass sie aus meiner eigenen Hand stammen.

Wenn auch nur ein paar der Leute angesteckt werden, hat das DIY-Virus schon sein Ziel für mich erreicht :)